Auf der ersten Fachtagung skizzierte Sascha Hesse die lange Reise von der technologiekritischen Hippie-Bewegung der 60er/70er Jahre hin zur heutigen Cyberkultur. Beginnend bei der skeptischen Haltung gegenüber Maschinen zeigt der Vortrag, wie sich radikale Technologiekritik — sichtbar etwa in John „Ted“ Kaczinskys Schrift „Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft“ — bis hin zu gewalttätigen Ausprägungen erstrecken kann. Hesse betonte, dass Innovationen historisch stets umstritten waren: Wie Technik verstanden und eingesetzt wird, ist eine politische und kulturelle Frage. Künstliche Intelligenz lässt sich dabei auch als Produkt westlicher Kulturdiskurse lesen, das Menschen marginalisieren kann — mit gefährlichen Überschneidungen zu autoritären Ideologien. Haupttreiber sind mächtige Tech-Konzerne, die Macht, Steuerung und Kontrolle anstreben. Die zentrale Frage bleibt: Wer trifft Entscheidungen auf Basis datenbasierter Schlussfolgerungen? Für Hesse ist klar: Ein ethischer Diskurs muss technokratischem Denken menschliche Wärme, Reflexion und demokratische Kontrolle entgegensetzen.